Wählen Sie Ihre Region

Fenster schließen
West- deutscher FK FK Bayern FK Mittel- deutschland FK Nordost FK Niedersachsen - Bremen FK Nord- deutschland FK Baden - Württemberg FK Hessen - Pfalz

Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der acht deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

Suche

Kann gutes Geld soziale und ökologische Wirkung haben?

Kann gutes Geld soziale und ökologische Wirkung haben?

1_Wie fühlt ihr euch gerade.jpg17 Oktober 2017

Zion Ramos (links) kommt aus den Philippinen und ist Projektbeauftragte im Oikocredit-Regionalbüro Südostasien. Viviana Cordero (rechts) kommt aus Costa Rica und ist Referentin für Kommunikation im OikocreditRegionalbüro für Mexiko, Mittelamerika und die Karibik. Beide machen derzeit ein mehrwöchiges Austauschprogramm in der Oikocredit-Hauptgeschäftsstelle in den Niederlanden. Wir haben sie dort getroffen und über ihre Arbeit befragt.

Zion Ramos (l.) und Viviana Cordero (r.) beantworten die Frage "Was habt ihr in Amersfoort gelernt" ohne Worte.

Katharina Welp: Zion und Viviana, ihr arbeitet beide in Regionalbüros von Oikocredit. Könnt ihr unseren deutschen Anlegerinnen und Anlegern mehr über eure Schwerpunkte und Aufgaben dort erzählen?

Zion Ramos: Ich bin vor allem für unsere Partnerorganisationen in Vietnam und Indonesien zuständig. Als Projektbeauftragte kümmere ich mich um die Evaluation und die Prüfung aller Projekte. Außerdem kümmere ich mich darum, dass Auszahlungen für die bewilligten Projekte getätigt werden und mache anschließend auch das Monitoring der Partner. Diese Aufgaben erledige ich nicht alleine, sondern werde von meinen Kolleginnen und Kollegen unterstützt, die viel Erfahrung in der Vorbereitung von Kreditanträgen und anderen administrativen Aufgaben haben. Ich berichte an die Regionaldirektorin und die stellvertretende Direktorin, die sämtliche regionale Tätigkeiten beaufsichtigen. Wir haben außerdem jeweils eine Koordinatorin für soziale Wirksamkeit sowie Beratung und Schulungen in der Region. Wir haben auch ein regionales Kreditkomitee, das Kredite prüft und bewilligt.

Viviana Cordero: Ich arbeite als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für die Region Mexiko, Mittelamerika und Karibik. In dieser Position bin ich verantwortlich für das Marketing-/ Kommunikations- und IT-Budget, alle Veranstaltungen in unserer Region, die regionale Website und Facebook-Seite sowie alle Werbeaktivitäten, die ich mit dem Team von Oikocredit International koordiniere. Außerdem kümmere ich mich um den CO2-Fußabdruck, den wir in unserer Region messen.

Wie kann Frau auf die Frage "Wie viele Partner betreut ihr?" ohne Worte antworten?

KW: Wie viele Partner betreut ihr momentan in euren Regionen?

VC: In unserer Region haben wir fast 140 Partner in acht Ländern. Zwei dieser Länder (Guatemala und Nicaragua) gehören zu den Top 10 der Länder, in denen Oikocredit weltweit das meiste Kapital vergeben hat.

ZR: Wir haben fast 50 Partner in Südostasien, die meisten in den Philippinen sowie fünf in Indonesien und zwei in Vietnam.

KW: Was sind die Schwerpunkte für Kreditvergaben in eurer Region?

ZR: In der Region Südostasien, wo wir ein Büro in Manila und eines in Phnom Penh, Kambodscha, haben, sind die meisten Projekte im Bereich Mikrofinanzinstitutionen und Finanzdienstleistungen.

VC: Die meisten unserer Partner sind landwirtschaftliche Kooperativen und Mikrofinanzinstitutionen. Unser Portfolio ist aber sehr vielfältig und wir haben auch Partner in den Bereichen Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Produktionsdienstleistungen und Erneuerbare Energien.

KW: Hattet ihr in diesem Jahr einen speziellen Erfolg in eurer Region oder eine Sache, die sich besonders gut entwickelt hat?

VC: Ich würde sagen, dass wir mittlerweile effizienter arbeiten und die Länder in unserer Region ganzheitlicher unterstützen. Zum Beispiel hilft ein Projektbeauftragter aus Mexiko einem anderen aus der Dominikanischen Republik, ein weiterer aus Guatemala unterstützt das Team in Nicaragua beim Monitoring der Partner oder spezifischen Projekten. Ich selbst arbeite enger mit der Kommunikationsabteilung von Oikocredit International zusammen, die uns dabei unterstützt, eine gemeinsame Strategie zu verfolgen.

ZR: Das ist in unserer Region ganz genauso.

KW: Wie oft besucht ihr eure Partner persönlich? 

ZR: Mindestens einmal im Jahr, aber es kann auch zwei- oder dreimal sein, das ist abhängig von den Bedürfnissen der einzelnen Partner. Wenn zum Beispiel ein Projekt neu angelaufen ist oder wir Anliegen haben, die wir mit dem Partner persönlich besprechen möchten, kommen wir öfter vorbei.

KW: Wie ist die Beziehung zu den Partnern? Könnt ihr das unseren Anlegerinnen und Anlegern näher beschreiben?

VC: Das Besondere an Oikocredit ist, dass wir unsere Länderbüros haben und unsere Kolleginnen und Kollegen den Markt sehr gut kennen. Wenn wir zum Beispiel Partner besuchen, die weit ab vom Schuss in ländlichen Gebieten sitzen, dann haben sie das Gefühl, dass Oikocredit sich wirklich um ihre Bedürfnisse kümmert. Und wir lernen so wiederum die reale Situation der Partner kennen und können sie dadurch besser unterstützen. Wenn einer der Partner erzählt, dass er oder sie das Gefühl hat, von Oikocredit langfristig und authentisch unterstützt zu werden, merkt man, dass es den Aufwand wert war. Das haben wir bei vielen unserer Partner erlebt, die über die Jahre gewachsen sind und immer noch mit uns zusammenarbeiten.

ZR: Eines der Dinge, die die Partner sehr schätzen, ist, wenn sie Beratung und Schulungen von uns erhalten. Sie haben dann das Gefühl, dass wir sie nicht einfach nur durch Kredite unterstützen, sondern dass wir ihnen helfen wollen, ihre Organisation durch diese Trainings weiterzubringen.

KW: Kannst du ein Beispiel für so ein Training geben?

ZR: Letztes Jahr haben wir ein Programm zu Risikomanagement angeboten, um Risikomanagement stärker in den Organisationen zu etablieren. Im Kern geht es darum, dass Partner unterschiedliche potenzielle Risiken identifizieren und in Zukunft proaktiver damit umgehen können und nicht gänzlich überrascht werden, wenn etwas passiert. Das Programm gibt ihnen mehr Möglichkeiten, sich auf Risiken vorzubereiten und ihre interne Organisation zu stärken.

KW: Was sind denn die größten Herausforderungen in euren Regionen?

ZR: In unserer Region ist die größte Herausforderung die zunehmende Anzahl von Kreditgebern – nicht nur soziale Investoren, sondern auch lokale Banken –  was zu einem Wettbewerb bei den Konditionen führt. Das erschwert es für uns, das Portfolio in unseren Ländern zu vergrößern.

VC: In unserer Region sind neben wachsender Regulierung vor allem der Klimawandel und Naturkatastrophen die größten Herausforderungen gewesen.

KW: In Deutschland ist gerade eine neue Kampagne gestartet, die sich „Gutes Geld“ nennt. Was bedeutet gutes Geld für euch in Bezug auf Oikocredit und eure Partner?

VC: Für mich bedeutet es, zu wissen, woher das Geld kommt und die Garantie zu haben, dass es von „ethisch denkenden Anlegerinnen und Anlegern“ kommt, die ihre Ersparnisse in Projekte mit sozialer und ökologischer Wirkung investieren möchten und dafür einen dreifachen Ertrag bekommen: monetär, sozial und ökologisch.

KW: Vielen Dank euch beiden, dass ihr euch die Zeit genommen habt, den Anlegerinnen und Anlegern in Deutschland mehr über eure Arbeit in den Regionalbüros und die Perspektive der Partner in euren Regionen zu erzählen! 

Credits: Katharina Welp

Das Interview führte Katharina Welp. Sie arbeitet seit Juli 2017 als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Oikocredit Förderkreis Nordost. Beruflich beschäftigte sie sich vorher mit strategischer Unternehmenskommunikation, Interkultureller Bildung und der Kultur- und Kreativwirtschaft. Katharina Welp hat Medien- und Sprachwissenschaft studiert und in Mexiko, Bangladesch, Schweden und Neuseeland gelebt und gearbeitet.

« Zurück