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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der acht deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

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GUTES GELD schreibt gute Geschichten

GUTES GELD schreibt gute Geschichten

2018-02-01_Ezgi Zegin.jpg09 Februar 2018

Der Moderator sagt „Poetry“, das Publikum antwortet „Slam“. Die Gäste beklatschen die Vorträge auf der Bühne mit Händen und Füßen. Es ist Poetry Slam #GutesGeld in Augsburg.

Der Oikocredit Förderkreis Bayern hatte zu der Veranstaltung im Kulturhaus Abraxas in Augsburg eingeladen, über 100 Interessierte und Fans sowie acht hochkarätige Slammer*innen waren gekommen. Moderator Michael Jakob, ein Urgestein der fränkischen Slammerszene, erklärte, wie ein Poetry Slam abläuft und wählte fünf Freiwillige aus dem Publikum als Jury für die Vorrunde aus. Deren Punktewertung von 1 – 10 entschied darüber, wer ins Finale kommt.

Acht Geschichten Gutes Geld - achtmal anders

Den Reigen der Wortakrobaten eröffnete Thomas Schmidt aus Schwabach, der fränkische Poetry Slam Meister 2016. Er erzählte von einem Küchengespräch mit seiner Tochter. Sie will später einen sozialen Beruf ergreifen, er ist dagegen. Sie glaubt, dass es geht, mit guten Dingen gutes Geld zu verdienen, er dagegen nicht. Von seiner Tochter schließlich mit dem Pfannenwender niedergeschlagen, lernt er ihre pflegerischen Qualitäten schätzen. „Wir finden einen sozialen Beruf für dich“, flüstert er ihr ins Ohr. Als sie zum Tee kochen kurz raus geht, ergänzt er: „Irgendwas Soziales, vielleicht mit VWL, da verdient man gutes Geld.“
Der Bayreuther Stadtmeister Steven philosophierte über das Dilemma, dass der Umgang mit Geld vorausschauendes Handeln erfordert. Dann würde es einem nicht ergehen wie dem Briten James Howles. Er hatte auf seiner Festplatte 7000 Bitcoins gesammelt, sie dann aber vor ein paar Jahren beim Hausputz auf den Müll geworfen- heute wäre sie umgerechnet 100 Millionen Euro wert. Pech und Glück liegen oft nah beieinander.

Igel sind einfach günstiger in der Haltung als Katzen

So Peter Parkster, 25 Std.-Weltrekord-Slam-Meister aus Nürnberg. Beim Aufstehen tritt er auf Ingo Igel. Er kann sich kein anderes Haustier leisten, ist pleite und so abgebrannt, dass ihn sein italienischer Nachbar Nero schon Rom nennt. Jetzt steht er vor dem Bankschalter, um einen Kredit aufzunehmen und entwickelt Geschäftsideen: Selbständig machen? In Bitcoins oder Aktien von Waffenfirmen investieren? Dixie Klos? Die geniale Idee mit 15.537.674 Euro Kredit alle Zahlenkombis im Lotto zu spielen und zu gewinnen, löst sich im Gespräch mit dem Bankberater schnell in Luft auf. Beim Rausgehen drückt ihm dieser noch einen Flyer von einem Mikrokreditanbieter in die Hand. Und schon entsteht im Kopf die nächste Idee: „Ich lege mir eine Igelzucht zu und verkaufe Kuscheligel an Familien mit Kindern, die sich keine Katze leisten können.“
Daniel Wagner aus Heidelberg, sechsmaliger Finalist der deutschsprachigen Meisterschaften nannte seine Geschichte „Massenvernichtungsmathe“ oder „Wer wird Millionär? Untertitel: Ich leider nicht!“. Mit rasanten Wortneuschöpfungen erklärte er, warum es nicht sein kann, dass sich ein von Jesus angelegter Cent bis heute in 50 Milliarden goldene Erden vermehrt hat. Die Lösung - Die Bank hätte sein Konto aufgelöst, denn Jesus hatte keine Erben.

Geld allein macht nicht glücklich

Martin Geier aus Fürth erzählte von den Stationen des 20 Euro–Scheines SB7530611421, der sich im Tresor als Geldanlage wertlos fühlt. Gefühle rund ums Geld spielten auch im Beitrag von Barbara Gerlach aus Nürnberg eine Rolle. Das Geld allein nicht glücklich macht, ist eine Binsenweisheit. Glücklich machen die Essensrationen von Mama im Studium oder das Zusammenlegen des Taschengeldes für den Mitschüler für das Skilager. „Geld an sich ist nicht gut oder böse, Geld bietet Möglichkeiten, die wir für uns oder andere nutzen können.“ Jens Hoffmann aus Weißenburg trug die Geschichte von Claudia und Eberhard als Gedicht vor. Eberhards Leben gerät nach der Scheidung von Claudia in Schieflage. Er, der „Sandlerkönig Eberhard“, hört von Oikocredit, von „Geld ohne Profit“, und eröffnet mit einem Mikrokredit eine Suppenküche. Dort trifft er die Liebe seines Lebens wieder. Sein Appell an Oikocredit: „Tut weiter Gutes und helft den armen Leuten, ohne sie auszubeuten.“ Das Ende der Vorrunde bestritt die Augsburger Slammerin Ezgi Zegin. Sie berichtete in ihrem Beitrag von ihren Erfahrungen als „türkischer Schwabe im „Club der armen anonymen Geldsüchtigen“.

Nur einer kann gewinnen

In der Endrunde traten drei Slammer mit selbst gewählten Themen nochmal an: Steven, Jens Hoffmann und Daniel Wagner. Nach allen Vorträgen bestimmte das Publikum mit Applaus den Gewinner Daniel Wagner für seinen Beitrag „Der Deutsche“. Er hatte jüngst erfahren, dass es in der Schweiz gerade die „Mohrenkopfdiskussion“ gibt, zehn Jahre später als in Deutschland. „Wir sind fortschrittlich, wir sind korrekt, wir nennen das auch nicht so“, sondern „Eiweißschaumschneegelantinesüßcrememassenzapfenspeise mit Eiswaffelunterlage und kakaohaltigem Schokoladenüberzug, mit Migrationshintergrund.“

Hier gibt es die Highlights des Poetry Slams zum Nachhören.

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