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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der acht deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

Westdeutscher Förderkreis
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Alle reden, wir handeln: 40 Jahre guter Anfang

Alle reden, wir handeln: 40 Jahre guter Anfang

40_Jahre_Aufkleber.jpg05 April 2019

Bonn, 5. April 2019. „Das, worüber alle reden, macht Oikocredit seit über 40 Jahren – privates Kapital sozial wirksam und ökologisch nachhaltig in den Ländern des Globalen Südens investieren“, sagte Helmut Pojunke, Geschäftsführer des Westdeutschen Förderkreises von Oikocredit am Freitag bei einem Pressegespräch in Bonn. „Das geschieht mit breiter Unterstützung von aktuell 57.000 engagier-ten Anleger*innen weltweit, die über eine Milliarde Euro in Projekten investieren. Und wir machen mit.“ Der in Bonn ansässige Westdeutsche Förderkreis hat wesentlich zum Erfolg von Oikocredit beigetra-gen. In diesem Jahr feiert er sein 40-jähriges Bestehen.

Im April 1979 wurde er gegründet, um Privatpersonen in der Region die Möglichkeit zu geben, sich an der internationalen Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit zu beteiligen. Sie können ab 200 Euro Genossenschaftsanteile erwerben. Mit ihrem Kapital finanzieren sie Sozialunternehmen und Kooperati-ven in Afrika, Lateinamerika und Asien im Inklusiven Finanzwesen, in der Landwirtschaft und im Sektor Erneuerbare Energien. Im Vordergrund steht der soziale Nutzen, nicht die größtmögliche Rendite.

Eigeninitiative fördern

„Es ist ein Grundprinzip unserer Arbeit, die eigene Initiative und die breit vorhandenen Problemlö-sungskompetenzen vor Ort zu fördern“, betonte Pojunke. Die enge Zusammenarbeit mit den 700 Part-nerorganisationen gewährleisten lokale Fachkräfte in weltweit 21 Länder- und Regionalbüros, „60 Pro-zent der Mitarbeitenden von Oikocredit arbeiten außerhalb von Europa“, so Pojunke weiter.

Der regionale Förderkreis in Bonn verwaltet das Geld der Anleger*innen in den Bundesländern NRW, Rheinland-Pfalz und Saarland treuhänderisch und wirbt in Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit für eine gerechtere Verteilung von Ressourcen. „Sein Erfolg wäre nicht möglich gewesen, wenn die Arbeit nicht von Anfang an mit großem – zunächst ausschließlich ehrenamtlichen Engagement vorangetrie-ben worden wäre“, betonte der Geschäftsführer.

Anders mit Geld umgehen

Jörg Baumgarten ist Mitglied Nr. 1 des Westdeutschen Förderkreises, er hat ihn seinerzeit mitgegrün-det, in der festen Überzeugung, dass vernünftig angelegtes Kapital eine Chance hat, positive Verän-derungen anzustoßen. „Oikocredit ist das positive Beispiel, wie man auch in einer globalisierten Wirt-schaft anders mit Geld umgehen kann, ich sehe es als ein Lernmodell“, sagte er.
Baumgarten wusste von mühsamen Anfängen zu berichten, in denen es noch schwerer als heute war, mit Menschen über ihr Geld zu sprechen. Darum wurden die Förderkreise gegründet. Die Dezentralität und die Basisnähe seien manchmal anstrengend, machten aber, so Baumgarten, auch die Glaubwür-digkeit und Stärke der Genossenschaft aus. Das Konzept ist aufgegangen. Seit den Anfängen 1979 ist aus dem Westdeutschen Förderkreis ein Verein mit 6.900 Mitgliedern geworden, der über 153 Milli-onen Euro in Oikocredit investiert hat.

Diskussion und Wirkung verbinden

Anna Bündgens ist seit 2017 Mitglied und Anlegerin bei Oikocredit. Zwei Jahre hat sie für den Förder-kreis hauptamtlich gearbeitet, hat mit Ehrenamtlichen zusammen die Kampagne „money matters“ in Münster organisiert. Geld zählt. Die Überzeugungen und Erfahrungen von Oikocredit jüngeren Zielgrup-pen nahezubringen, sieht sie als eine Hauptaufgabe des Förderkreises. Bündgens: „Geld ist ein span-nender Anknüpfungspunkt, um über die Welt zu reden.“

Bündgens steht für eine Generation, die neue Wege findet, ihre Themen zu kommunizieren, die es ge-wohnt ist, zu netzwerken. Sie finde es logisch, zusammenzuarbeiten, sagte sie – und erzählte von „jun-gen“ Formaten wie Poetry Slams und neuen Kooperationen, mit dem Eine Welt Netz NRW beispielswei-se, der FilmFair Bonn und anderen Veranstaltungen. Oikocredit sei eine gute Möglichkeit, so Bündgens, politische Diskussion mit Handeln und sozialer Wirkung zu verbinden.

Nachhaltig und partizipativ handeln

Beseitigung der Armut, Klimaschutz, Zugang zu Finanzierungen und Versicherungen, Ernährungssi-cherheit, Verbesserung von Bildung und Gesundheit, gleiche Rechte für Frauen: Das ist nur ein Aus-schnitt an Zielen, für die sich die Genossenschaft über die Zusammenarbeit mit ihren Partnern enga-giert. Pojunke: „Öffentliche Mittel, Programme von Organisationen in der Entwicklungszusammenar-beit oder Spenden allein können das nicht schaffen.“ „Auch nicht“, setzte er nach, „die große Geste effektiver Altruisten, die gleichwie an Geld kommen, um es dann undemokratisch und willkürlich zu verteilen: Das ist in unseren Augen weder nachhaltig noch partizipativ“.

Nachhaltige Projekte, so Pojunke, sehen anders aus:

1. Inyenyeri: Sauberer kochen

Oikocredit investiert eine Million Euro in die Partnerorganisation Inyenyeri. Das ruandische Unterneh-men nutzt das Darlehen, um bis zum Jahr 2020 insgesamt 150.000 Haushalte mit sauberer Kochtech-nologie zu versorgen. Der Bedarf daran ist groß und es ist dringend nötig, Brennstoffe effizienter einzusetzen. Nach Schätzungen der Weltbank sterben jedes Jahr drei bis vier Millionen Menschen an Krankheiten, die durch Luftverschmutzung im häuslichen Raum verursacht werden.

Inyenyeri beliefert derzeit 6.000 Haushalte mit Kochöfen, die mit nachhaltig produzierten Brennstoff-Pellets aus Ruanda betrieben werden. Die Kund*innen erhalten die Biomasse-Kocher von Inyenyeri kostenlos. Im Gegenzug verpflichten sie sich, die Brennstoff-Pellets entweder bei Inyenyeri zu kaufen oder im Tauschhandel abzunehmen. Im Vergleich zu traditionellen Kochmethoden reduziert die von Inyenyeri entwickelte Technologie den Ausstoß von Rauch und giftigen Gasen um über 90 Prozent.
Gegenüber Holzkohle oder Brennholz verbrauchen die Pellets aus Biomasse zudem rund 85 bis 90 Prozent weniger Holz und sind nur etwa halb so teuer wie Holzkohle.

Die Kund*innen von Inyenyeri können ihre monatlichen Kosten im Vergleich zur Nutzung von Holzkohle also nahezu halbieren. Gleichzeitig verbrennen die modernen Kocher sehr viel sauberer.

2. Coopfam: Kaffee-Bäuerinnen an die Macht

Coopfam (Cooperativa dos Agricultores Familiares de Poço Fundo e Região) ist eine Kaffeegenos-senschaft im Südosten Brasiliens mit über 400 Mitgliedern. Oikocredit finanziert sie mit einem Darle-hen über eine Million US-Dollar. Als erste Genossenschaft in Brasilien begann Coopfam Ende der 1990er Jahre mit dem Anbau von Bio-Kaffee und Fairtrade zertifiziertem Kaffee. Die Kooperative ver-sucht gezielt, Frauen für den Kaffee-Anbau zu gewinnen. Vizepräsidentin ist Vânia Lucia Pereira da Silva, eine von zwei Frauen im Management, die wie die anderen Frauen Kaffee für die Eigenmarke „Café Feminino“ produziert.

Die Coopfam-Frauenorganisation MOBI bringt Frauen zusammen, die Kaffee-Nebenprodukte als Material für Kunsthandwerk verwenden und Rosen züchten, um zwischen den Ernten zusätzlich Verdienst zu erwirtschaften. Das Geld für das Projekt kommt aus dem Überschuss, den der Verkauf von „Café Fe-minino“ einbringt. Er kostet zehn Prozent mehr als der andere Bio-Kaffee der Kooperative.

„Frauen spielen eine wichtige Rolle bei der Produktion des Kaffees, also müssen sie auch an den Entscheidungsprozessen teilhaben“, sagt Vânia Lucia Pereira da Silva. Die eigene Kaffee-Marke hat große Bedeutung. „Sie gibt uns Frauen auf dem Land das Gefühl der Wertschätzung, mehr Selbstbe-wusstsein und mehr eigenes Einkommen. Viele junge Leute und viele Frauen wandern auf der Suche nach Geld und Unabhängigkeit in die Städte ab. Wenn man die Frauen ermutigt, in den Kaffee-Anbau einzusteigen, wirkt man damit auch der Landflucht entgegen.“

Jubiläum

Der Westdeutsche Förderkreis eröffnet das Jubiläumsjahr am 6. April mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Ende der Wachstumsökonomie“ aus den unterschiedlichen Perspektiven des globalen Nordens und des globalen Südens. Neben vielen Veranstaltungen wird es das ganze Jahr über eine gemeinsame Jubiläumsaktion geben, die dem Bereich Capacity Building, Beratung und Schulungen, der Genossenschaft zugute kommen soll. Helmut Pojunke: „Wir wollen 100.000 Euro – diesmal aus-nahmsweise als Spendengelder – für ein Tee-Projekt in Ruanda zusammenbekommen. Unser Partner Karongi Tea, der sich auch finanziell an der Aktion beteiligt, kann damit zwei Millionen Tee-Setzlinge züchten. 2.000 Bäuerinnen und Bauern werden lernen, den Tee nachhaltig anzubauen.“ Tee bedeutet ein zuverlässiges zusätzlichen Familien-Einkommen. „Exactly your cup of tea“ ist Motto der Kampag-ne. Genau deine Tasse Tee.

Für Rückfragen und weitere Informationen:

Karen Zwissler, Referentin Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
kzwissler@oikocredit.de
Tel.: 0228 6880-285

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