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Keep fighting!

Keep fighting!

IMG-20200331-WA0013.jpg22.04.2020

Die ugandische Klimaaktivistin Vanessa Nakate nahm als Delegierte am Arctic Basecamp während des Weltwirtschaftsforums in Davos teil. Als die Nachrichtenagentur AP ein Gruppenfoto veröffentlichte, aus dem sie als einzige weggeschnitten war, gab es weltweite Proteste, aber auch Aufmerksamkeit. Wir baten die 23-jährige Aktivistin, uns zu erzählen, was sie an- und umtreibt. Vanessa Nakate hat unsere Fragen in 30 Minuten Sprachnachrichten via Whatsapp beantwortet.

Von Vanessa Nakate.

Die Mehrheit der Menschen in meinem Land lebt unter schwierigen Bedingungen. Der Drang, etwas dagegen zu unternehmen, wurde bei mir seit Anfang 2018 immer stärker. Ich fing an mich dafür zu interessieren, was das für Probleme sind, gegen die sie kämpfen müssen, und wie ihre Situation angemessen berücksichtigt werden kann. Als ich die Bedeutung des Klimawandels als eine der Ursachen erkannte, war ich ehrlich überrascht. In der Schule wurde der Klimawandel als etwas gelehrt, das, wenn überhaupt, irgendwo entfernt in der Zukunft lag, nichts, worüber man sich hätte Sorgen machen müssen. Ich habe mich also selbst informiert, mich gründlich mit den Ursachen, vor allem aber auch mit den Wirkungen des Klimawandels befasst, und damit, wie er sich auf das Leben der Menschen und Gemeinschaften in Uganda auswirkt.

Menschen leiden, ich wollte etwas tun

Die Menschen in der Region Mount Elgon beispielsweise leiden unter Überschwemmungen und Erdrutschen, die ihre Häuser, ihre Leben zerstören und ihnen buchstäblich nichts lassen zum Überleben. Uganda ist insgesamt stark abhängig von der Landwirtschaft. Mit der Erderwärmung erleben wir höhere Temperaturen und extreme Wetterverhältnisse: lange Dürreperioden, Überschwemmungen. Die Landwirtschaft wird weniger planbar. Wenn die Anbaupflanzen zerstört sind, haben die Menschen nichts zu essen. Sie versuchen dem zu entfliehen und bessere Orte zu finden. Die Slums um die Städte wachsen und werden zu immer gefährlicheren Plätzen. In Kampala kann man im Straßenbild sehen, dass die Zahl der Menschen aus dem Nordosten des Landes, wo die Temperaturen gestiegen sind, zunimmt. Die Menschen betteln. Die Kinder leben und schlafen auf der Straße. Die Menschen auf dem Land leiden am meisten und tragen das höchste Risiko. Sie sind die am wenigsten privilegierte Gruppe der Gesellschaft. Das größte Problem ist die Nahrung. Der Klimawandel bewirkt, dass der Zugang zu Nahrung blockiert ist. Nahrung undWasser sind das Problem. Das macht mich fertig. Die Leute müssen hungern, sie sterben am Hunger. Was sie  pflanzen, wird zerstört. Ich war geschockt, wie sehr der Klimawandel die Menschen und die Ernährungssicherheit bedroht. Ich beschloss, dass ich aktiv werden will. Ich stieß auf „Fridays for Future“ und deren Klimastreiks und schloss mich der Bewegung an.

Öffentlicher Protest ist wichtig

Öffentlicher Protest ist wichtig. Nur so können wir eine klare Botschaft nicht nur an die Öffentlichkeit, sondern auch an die Regierungen richten. Die meisten Menschen sind sich der Tragweite des Klimawandels nicht bewusst. Ja, ich bin eine Klimaaktivistin. Jeden Freitag verlasse ich meinen Arbeitsplatz in einem Betrieb für Solarbatterien – letztes Jahr habe ich meinen Bachelor in Business Administration gemacht – um zu streiken und in Kampala für Klimaschutz zu protestieren. Ich habe die „Fridays for Future“-Bewegung in Uganda gestartet und das „Rise Up Movement“ gegründet. Ich will, dass die Menschen in Afrika eine Stimme haben, dass sie der Weltöffentlichkeit, den Regierenden erzählen, wie der Klimawandel ihr Leben, ihre Familien, ihren Lebensunterhalt bedroht. Soeben habe ich einen Podcast gestartet, damit Aktivist*innen ihre Geschichten erzählen können. Der Podcast ist offen für alle Aktivist*innen auf der Welt. Gestern (Anmerkung der Redaktion: am 30. März 2020) war unser erster Beitrag, wir hatten einen Klimaaktivisten aus Uganda zu Gast, dessen Geschichte wir die ganze Woche über in Fortsetzung  verbreiten werden.

Wir brauchen Bildung fürs Klima

Die meisten Menschen glauben nicht, dass der Klimawandel etwas mit ihrer Lebenssituation zu tun hat. Wir müssen sie überzeugen. In Uganda ist es dabei gar nicht so leicht, mit einer größeren Gruppe im öffentlichen Raum zu streiken. Es ist nicht leicht, Genehmigungen dafür zu bekommen, anders als vielleicht in westlichen Ländern. Wenn ich draußen bin, gibt es Menschen, die auf mich hören, Menschen die mir zulächeln, Menschen, die mich angreifen. Wir haben zwar viele junge Leute hier in Afrika, aber sie wissen so gut wie nichts über den Klimawandel. Wir müssen darüber informieren, Bildungsarbeit machen. Wir gehen in die Schulen. Dafür braucht man Ressourcen. Es ist kompliziert, aber nicht unmöglich. Wir sind keine große Bewegung hier, ich habe keine soliden Zahlen, weiß aber, dass die Klimabewegung in den afrikanischen Ländern aufholt. Die Stimmen derer, die die Regierenden antreiben wollen, politische Entscheidungen zu treffen, die uns retten können, werden lauter.

Neue Wege der Entwicklung

Wir brauchen einen neuen Weg der Entwicklung. Wir brauchen ein neues Establishment in den Regierungen. Die Regierung muss sich aus Investments zurückziehen, die den Klimawandel vergrößern. Die Regierenden müssen den jungen Leuten zuhören und auf sie hören, die fossilen Brennstoffe im Boden lassen und jede Art von Investment in die fossile Brennstoffindustrie stoppen. Der globale Norden muss seine Investments in den Abbau fossiler Brennstoffe stoppen. Die Regierenden müssen in nachhaltige Entwicklung wie beispielsweise erneuerbare Energien investieren, und dafür sorgen, dass sie flächendeckend für alle nutzbar sind. Wir brauchen urbane Wälder, müssen die vorhandenen Wälder restaurieren, sie beschützen. Die Regierungen haben viel zu tun. Klima und Entwicklung hängen zusammen, sie gehen Hand in Hand. Das Argument der Regierenden ist ja immer, wenn sie sich aus der fossilen Energie zurückzögen, wäre die Entwicklung beeinträchtigt. Aber der Profit, den sie für die Ausbeutung der fossilen Brennstoffe bekommen, ist vorübergehend, sie haben nur kurz etwas und nur wenige haben  etwas davon. Aber die Schäden für Menschen, Tiere und Ökosystem überdauern. Der Schutz des Ökosystems muss gesichert sein. Davon hängen unsere Leben ab. Afrika braucht Unterstützung aus dem globalen Norden. Die meisten afrikanischen Länder haben weder die Ressourcen noch die finanziellen Möglichkeiten, der Klimakrise zu begegnen, neue Wege einzuschlagen, in erneuerbare Energien zu investieren beispielsweise. Natürlich wissen wir hier, was der globale Norden in Afrika angerichtet hat. Aber es nutzt in der aktuellen Situation nichts, nach hinten zu gucken. Wir müssen uns um die Gegenwart kümmern und in die Zukunft schauen. Die Herausforderungen der Klimakrise können wir nur lösen, wenn wir als Länder und Kontinente zusammenarbeiten. Klimagerechtigkeit kann nur global sein.

Verrückt, dass so etwas 2020 geschieht

Ich bin als Klimaaktivistin inzwischen an viele Orte eingeladen worden. Zum UN-Jugendklimagipfel 2019 in New York. Zur Klimakonferenz in Madrid. Und zuletzt als Delegierte ins Arctic Basecamp der Klimaforscher*innen zum Weltwirtschaftsforum in Davos, wo ich mit anderen jungen Aktivist*innen aus Brasilien, China, Grönland, den Marshallinseln und den USA bei Minusgraden in Zelten gelebt habe. Wir haben viel gemacht, sind dort in die Schulen gegangen, haben von den Wissenschaftler*innen gelernt. Wir haben friedlich protestiert und den Regierenden signalisiert: Wir haben unsere Komfortzone verlassen und erwarten dasselbe von euch, um unseren Planeten zu retten. Dass die Nachrichtenagentur AP mich als einzige aus einem Gruppenfoto der Aktivist*innen rausgeschnitten hat, finde ich verrückt. Ich hätte nicht erwartet, dass so etwas im Jahr 2020 noch passiert. Wir kämpfen doch alle für dieselbe Sache. Und dann eine Person, die einzige Person of Colour aus dem Foto zu schneiden und damit ihre Geschichte und ihren Kampf zu entfernen! Das ist so widersinnig.

Covid-19 trifft auch die Reichen

Die aktuelle Krise nach dem Ausbruch von Covid-19 ist beunruhigend. Aber der Klimawandel ist eine Krise, die Auswirkungen auf Dauer hat. Zu sehen, dass die Regierungen den Klimawandel weniger ernst nehmen als Covid-19, ist hart für mich. Vielleicht ist der Unterschied, dass Covid-19 jeden betrifft, die Reichen und die Armen. Die Klimakrise hat bisher vor allem verletzliche Bevölkerungsgruppen betroffen, nicht so sehr die privilegierteren. Es ist unfassbar traurig, dass wir zulassen, dass der Klimawandel Menschen tötet. Jetzt bei Covid-19 wird deutlich, was uns erwartet, wenn der Klimawandel am Ende alle betrifft. Niemand kann davor weglaufen. Jede*r kann ein Opfer sein. Wenn der Klimawandel auch die privilegierteren Schichten trifft, werden wir erleben, wie Bewegung in die Regierungen kommt. Dass es nicht vorher passiert, ist verletzend. Das tut weh. Jetzt können die Menschen in  ärmeren ländlichen Regionen, die so sehr unter dem Klimawandel leiden, sehen, dass die Regierenden können, wenn sie wollen. Alles, was es braucht, ist der Wille. Keep fighting. Kämpft weiter! Bis die Regierenden realisieren, dass der Klimawandel da ist, dass sie ihn bekämpfen müssen, dass sie, weil es am Ende alle trifft, im Interesse aller Menschen handeln müssen.

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